Behind Bars: Charles Bar, Wittenberg

Charles Bar

7 Fragen an Martin Kramer

Wittenberg in Sachsen-Anhalt ist als Lutherstadt bekannt: Hier lebte und arbeitete der große Reformator Martin Luther, an die Wittenberger Schlosskirche soll er seine berühmten 95 Thesen genagelt haben. Als Barstadt ist die gerade einmal 46.000 Einwohner zählende Stadt weniger bekannt – doch ein weiterer Martin hält hier die Fahne für die Barkultur hoch. Behind bars in Wittenberg mit Martin Kramer, dem Betreiber der „Charles Bar“ und zweimaligen Deutschen Cocktailmeister.

1. Martin, bitte beschreibe uns die Charles Bar in drei Worten.
Speziell! Jazzy! Fancy! Speziell, weil wir in einer strukturschwachen Region Sachsen-Anhalt das Wagnis Bar- und Cocktailkultur eingegangen sind und auch diesen Fleck der deutschen Landkarte mit guten Drinks versorgen wollen. Jazzy, weil wir äußerst musikalisch sind. Ray Charles stand Pate für den Namen der Bar. Demnach hörst du bei uns eher kein HipHop, sondern fast ausschließlich Jazz. Und fancy, weil wir unseren eigenen Stil haben, unsere Drinks zu präsentieren: Wir versuchen, jedem Cocktail ein Thema zu geben und dieses optisch, aromatisch und natürlich geschmacklich umzusetzen.

2. Deine Bar steht in einer kleinen Stadt und in einer, wie du schon sagtest, strukturschwachen Region. Wie betreibt man eine solche Bar im Unterschied zu einer Metropolenbar?
Es ist tatsächlich ein Unterschied, ob du deine Bar in einer Kleinstadt oder Metropole betreibst. Allen voran steht da erstmal das Gästepotential, welches deutlich geringer ausfällt. Dadurch spielt eine knallharte Kalkulation in den Bereichen Einkauf, Verkauf und Personaleinsatz eine übergeordnet große Rolle. Man muss schlichtweg die ein oder andere Investition auch ein zweites und drittes mal genauestens überdenken. Ein weiteres großes Thema ist der Stil. Beispielsweise würde sich eine Old-Fashioned-Bar in so einer kleinen Stadt, wie es Wittenberg ist, wahrscheinlich nicht allzu lange halten, weil dein Kundenkreis durch diese Spezialisierung deutlich eingeschränkt wird. Unser Versuch ist es natürlich, ein breites Spektrum an Gästen für unsere Bar zu begeistern.
Der Arbeitsalltag in der Bar unterscheidet sich allerdings nicht. Nur, dass hier „auf dem Dorf“ der Tag auch mal zu Ende geht.

3. Wo wir gerade beim Thema sind: Was trinkst du gerne als Feierabenddrink?
Zum Feierabend begnüge ich mich gerne mit einem frisch gezapften Bier, da muss es gar nichts Hochprozentiges sein. Das feierabendliche, humorvolle Gespräch mit meinen Mitarbeitern gibt mir dann schon den Rest 🙂

4. Was macht eine gute Bar für dich aus, wann fühlst du dich gut aufgehoben, wenn du selbst Gast bist? 

Es gibt natürlich unterschiedliche Ideen und Konzeptionen von Bars. Für mich ist sehr wichtig, dass jeder Faktor im Einklang mit dem Gesamten steht. Service, Gastfreundlichkeit, Kleidung, Getränke- auch Speiseangebot, Einrichtung … wenn alle Rädchen ineinander greifen und die Bar ihren eigenen Stil verkörpert, dann kann man wahrscheinlich von einer guten Bar sprechen. Es spielt dabei eine verminderte Rolle, wie kreativ das Drinkangebot ist oder welch herausragende Spirituose das Backboard beinhaltet. Der Gast soll sich wohlfühlen, auf unterschiedlichste Art und Weise. Bars sind da glücklicherweise sehr vielfältig. Sie bieten Gästen ein breites Spektrum an Aha-Effekten, Überraschungen, Ambiente oder Geselligkeit. Persönlich bin ich recht genügsam. Mir reicht prinzipiell ein Platz an der Bar und ein guter Drink. Ich mag allerdings saubere Arbeitsplätze, gut sortierte Rückbuffets und aufgewecktes Servicepersonal.

5. Du warst zweimal hintereinander Sieger bei der Deutschen Cockail-Meisterschaft und hast einige weitere Wettbewerbe gewonnen. Darum wollen wir gerne von dir wissen: Wie gewinnt man einen Cocktail-Wettbewerb?
Natürlich kommst du um einen guten, ausgefallenen Drink nicht drum herum. Einen schlechten Drink kann die beste Performance nicht aufwiegen. Beim Wettbewerb direkt braucht man allerdings Glück. Ohne gewinnst du keinen Wettbewerb. Ein unberechenbarer Faktor, den es auch ein Stück weit zu erzwingen gilt. Dazu gehört meiner Meinung nach neben der Vorbereitung und der Produktkenntnis vor allem Fokussierung. Wenn du als cooler Hund in eine Competition gehst, dann wird dich diese Lässigkeit einholen. Man muss sich auf seinen Job auf der Bühne konzentrieren, alle Eventualitäten vorab durchgehen und mental vorbereitet sein. Ein Wettbewerb unterscheidet sich im Wesentlichen gar nicht so sehr von der täglichen Arbeit, nur dass dir eben eine fachkundige Jury auf die Finger schaut, nicht deine Gäste.

6. Welchen Drink mit Thomas Henry sollte man unbedingt bei euch probieren?
Wir gehen auf den Sommer zu und da darf ein Pimm’s Cup nicht fehlen. Wir haben die Rezeptur ein klein wenig verändert und geben dem Drink eine leichte Richtungsänderung. Neben den typischen Zutaten Pimm’s, Gurke, Zitrone, Orange und Thomas Henry Ginger Ale arbeiten wir dabei noch mit einem hausgemachten Holunderblüten-Cordial, Birnenlikör und Äppelwoi. Geschmacklich ist dieser Drink dadurch breiter aufgestellt und gibt dem Ganzen den zusätzlichen Kick.

7. Woran arbeitest du zurzeit, was wird es in der Charles Bar bald Neues geben?
Derzeit arbeitete ich vor allem daran mir etwas mehr Zeit freizuschaufeln. Ich werde Vater und möchte diese Aufgabe mit dem gleichen Ehrgeiz wie die eigene Bar angehen. Neben der fast täglichen Arbeit an neuen Drinks und dem demnächst neu überarbeiteten Drinksmenü sind in unsere Tastings mittlerweile unglaublich gefragt. Da gilt es natürlich, neue Themen zu finden und diese dann auch entsprechend umzusetzen.

Vielen Dank und alles Gute, Martin.

Charles Bar
Markt 7
06886 Lutherstadt Wittenberg

www.charlesbar.de