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Drink- & Bar-Experte bei Thomas Henry
Frankfurt hat mehr Bar-Auszeichnungen pro Einwohner als Berlin. Das sollte auffallen – tut es aber nicht, weil die Stadt es nicht vermarktet. Wer hierher kommt, denkt an Skyline und Deutsche Bank. Wer hier lebt, weiß: Zwischen Bahnhofsviertel, Sachsenhausen und Innenstadt hat sich eine der ernsthaftesten deutschen Bar-Szenen entwickelt – mit einer Handschrift, die zwischen Wall-Street-Präzision und Provinz-Understatement eine eigene Sprache gefunden hat. Sechs bis acht Adressen, drei Formate, eine Stadt, die aufhört, sich zu erklären.
Auf einen Blick
- Frankfurt trinkt gerade auf drei Ebenen: Rooftop, Konzeptbar, Bar-mit-Küche
- Rooftops mit Skyline-Blick sind Frankfurts natürlicher Vorteil – nur diese Stadt hat sie so
- Die Konzeptbar-Generation kommt aus dem Bahnhofsviertel und der Innenstadt
- Acht Adressen, die zeigen, warum Frankfurt gerade unterschätzt ist
Frankfurt hat eine ungewöhnliche Ausgangslage. Die Stadt ist klein, dicht, mit hoher Kaufkraft und internationalem Publikum – Banking, Beratung, Anwaltskanzleien. Das hat die Bar-Szene über Jahrzehnte geformt: Wer hier serviert, arbeitet für Menschen, die viel gereist sind, gute Bars kennen und keine Show brauchen. Das ergibt einen Ton, den es woanders in Deutschland kaum gibt – ernsthaft, entspannt, ohne Selbstinszenierung.
Dazu kommt die Skyline. Frankfurt ist die einzige deutsche Stadt, in der Rooftop-Bars nicht auf einem Innenhof-Aufsatz stehen, sondern in der 40. Etage mit echtem 360-Grad-Blick. Das ist kein Marketing-Argument, das ist Stadtgeographie. Und es hat eine eigene Bar-Kultur hervorgebracht, die man mit München oder Berlin gar nicht vergleichen kann.
Drei Formate, eine Stadt
Frankfurts Bar-Szene sortiert sich klar in drei Bewegungen, die parallel existieren und sich gegenseitig ergänzen.
Rooftop mit Skyline. Frankfurts Alleinstellungsmerkmal. Deutschlands höchste Rooftop-Bar sitzt hier. Andere Städte haben Aussichtsterrassen, Frankfurt hat Panoramen aus der 40. Etage. Das verändert das Trinken – nicht weil die Cocktails anders wären, sondern weil die Kulisse dem Drink einen zweiten Layer gibt.
Die Konzeptbar. Nach dem Ende des legendären Kinly hat sich eine neue Generation formiert – oft direkt aus dem alten Kinly-Team. Speakeasy-Ästhetik, Klingel an der Tür, kurze Karten mit Handschrift. Das Bahnhofsviertel ist zum unerwarteten Zentrum dieser Bewegung geworden.
Die Bar mit Küche. Frankfurt kann etwas, das Berlin schlechter und Hamburg gar nicht kann: Bars, die gleichzeitig ernsthafte Küche machen, ohne dass Bar oder Küche darunter leiden. Restaurantbar-Hybride, in denen das Cocktailglas neben dem Teller stehen darf, ohne dass eins von beiden zum Ornament wird.
Der Bar Guide für Frankfurt: acht Orte, drei Formate
Die folgenden Adressen tragen die drei Frankfurter Bewegungen besonders gut. Nimm sie als Karte, nicht als Ranking.
Was du dir mitnimmst
Frankfurt ist die deutsche Bar-Stadt, die niemand ausruft – und genau das ist ihre Stärke. Sie muss nicht laut sein, weil sie schon längst gut ist. Wer die Stadt trinken lernen will, geht einmal hoch (Rooftop mit Blick), einmal runter (Bahnhofsviertel-Speakeasy) und einmal quer (Bar mit Küche). Danach hat man verstanden, warum Frankfurt jede Rangliste sprengt, sobald jemand ernsthaft hinschaut.
Am Ende sitzt irgendwo jemand mit einem Glas vor sich und Blick auf die Skyline oder auf eine anthrazitfarbene Wand mit Pop-Art-Print. Frankfurt eben.