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Drink- & Bar-Experte bei Thomas Henry
München hatte lange eine Bar-Szene, die man in einem Satz zusammenfassen konnte: Schumann’s plus die großen Hotelbars, plus was am Gärtnerplatz gerade offen ist. Das stimmt so nicht mehr. Über den Dächern hat sich eine eigene Rooftop-Kultur entwickelt, in den Vierteln unten wachsen Konzeptbars, die sich nicht mehr an der Hotellobby orientieren. Zwei Bewegungen, eine Stadt. Sechs Adressen, die zeigen, wohin München gerade trinkt.
Auf einen Blick
- München hat zwei zentrale Bar-Formate: Rooftop und Konzeptbars
- Rooftop wächst am schnellsten: drei Adressen, die über der Stadt schweben
- Die neue Konzeptbar-Generation kommt aus Glockenbachviertel, Gärtnerplatz und Schwabing
- Daydrinking München funktioniert oben genauso gut wie unten im ruhigen Treiben der Stadt, nur mit anderer Aussicht
München trinkt gerade auf zwei Ebenen gleichzeitig – und das ist wörtlich gemeint. Über der Stadt, auf den Dachterrassen, hat sich in den letzten Jahren eine solide Rooftop-Szene etabliert. Sundowner mit Alpenblick, Cocktails mit 360-Grad-Panorama, kurze Karten für lange Nachmittage. Und unten, in den Vierteln, wächst parallel eine neue Generation von Konzeptbars, die weder Hotellobby noch Studentenkneipe sein wollen.
Was beide Ebenen verbindet: eine Ernsthaftigkeit im Handwerk. München bleibt München – auch wenn die Drinkkarten kuratierter und die Räume kleiner werden, wird hier weiterhin mit leidenschaftlich gerne gemixt.
Zwei Formate, eine Stadt
Wer in München eine gute Bar sucht, sortiert zuerst nach Format. Die drei sind trennscharf und ergänzen sich zugleich.
Die Rooftop-Bar. Das jüngste, am schnellsten wachsende Format. Dachterrasse, Aussicht, Sundowner-Logik. In München bedeutet Rooftop nicht bloß Aussicht auf Bahntrassen. Hier sieht man an klaren Tagen die Alpen. Das gibt jeder Karte einen zweiten Layer. Rooftop-Bars in München sind Tagesbars mit Abendlicht: früh startend, mit dem Sonnenuntergang aufgeladen, oft schon vor Mitternacht ruhiger.
Die Konzeptbar. Kleiner, dichter, mit einem klaren Thema. Manche gehen ins Maritim-Rauhe mit Rum-Fokus, andere ins Latin, wieder andere ins Cinematische. Was sie eint: eine eigene Handschrift. Weder Bar-Kollektiv-Standard noch Cocktail-Kanon-Wiederholung – hier baut jemand etwas Eigenes. Meist im Glockenbachviertel, am Gärtnerplatz oder in Schwabing.
Der Bar-Guide: sechs Bars, zwei Formate
Die folgenden sechs Adressen tragen die neue Münchner Bar-Szene, drei Rooftops mit Aussicht, drei Konzeptbars in den Vierteln. Nimm sie als Karte, nicht als Ranking.
Daydrinking München: oben und unten
Daydrinking hat in München zwei Adressen: oben und unten. “Oben” meint Rooftop, die Aussicht macht aus dem Nachmittag ein Ereignis. Ein Aperitif mit Blick auf die Frauenkirche funktioniert anders als ein Aperitif in einem Hinterhof. Nicht besser, nicht schlechter, nur anders. Die Rooftop-Bars der Stadt haben sich das zunutze gemacht: früher Nachmittag als Prime Time, mit einem Publikum, das den Tag verlängert, statt ihn zu eskalieren.
Unten heißt Nachbarschaftstresen. Ein langer Nachmittag auf einer Terrasse im Glockenbachviertel, ein kleiner Martini, ein Highball, dazwischen Wasser. Die Stadt eignet sich fast perfekt dafür: Englischer Garten, Isar, Innenhöfe, Terrassen. Niemand grölt Aperol-Songs, niemand feiert etwas Bestimmtes. Der Tag geht einfach länger, als er sollte.
Was du im Glas findest, wenn du in München bestellst
Für den eigenen Feierabend zuhause: Die folgenden Serves tragen den Münchner Modus nach Hause – no, low und high gemixt, mit Fokus auf klare Bitterkeit und ruhige Hand.
Was du dir mitnimmst
München verändert sich langsamer als Berlin, gründlicher als Frankfurt, subtiler als Hamburg. Wer die Stadt trinken lernen will, fährt einmal hochhinaus und einmal wieder runter ins Treiben. Idealerweise am selben Tag.
Am Ende sitzt irgendwo wieder jemand mit einem Glas vor sich. Ob mit Alpenblick oder in einem Hinterzimmer – München eben.